| Bierbrauen im Bergwinkel 2009 |
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BIERBRAUEN IM BERGWINKEL oder Ein toter Bär kommt selten allein…
Als wir von einem Bierbrauseminar in Schlüchtern erfuhren, war unser erster spontaner Gedanke: „ Da gehen wir mit!“, die erste Frage war: „ Wo bitte liegt Schlüchtern??“. Um es kurz zu machen - hinter Frankfurt ostwärts hoch 30 km vor Fulda. Diese Gegend Hessens, laut Hotelprospekt Bergwinkel genannt (hier treffen nämlich Rhön, Vogelsberg und Spessart aufeinander), war uns bisher völlig unbekannt und das eigentlich zu Unrecht. Nach der Anreise im eigenen PKW am Freitag kamen wir in einem malerischen Örtchen (8OOO Einwohner) mit Fachwerkhäuschen und Fußgängerzone an, das sehr um Fremdenverkehrsfreundlichkeit bemüht ist. Wir waren auf drei Hotels in Laufweite verteilt, Hauptbasis war aber das sich ungefähr seit der Steinzeit in Familienbesitz befindliche Hotel Hausmann, dessen Besitzer uns beim gemütlichen Abendessen mit zahlreichen Geschichtchen Land, Leute und kulinarische Spezialitäten näherbrachte. Am nachdrücklichsten blieb die letzte Kategorie in flüssiger Form hängen; der lokale Absacker „toter Bär“ kaschiert seinen Alkoholgehalt wirklich gekonnt. Zu später Stunde gab es dann als erstes Highlight eine Nachtwächterführung durch Schlüchtern, bei der es humorvolle Anekdoten zur lokalen Kulturgeschichte bei den jeweiligen Bauwerken gab. Der nächste Vormittag stand nach dem reichhaltigen Frühstück zur eigenen Verfügung, was dem lokalen Einzelhandel durchaus zugute kam, gab es doch einige Shoppingmöglichkeiten. Dann aber sollte das Hauptevent steigen und so marschierte die Gruppe hinauf zur Burg Brandenstein, wo wir mit Kaffee und Kuchen verköstigt wurden. Dann lernten wir, dass Bierbrauen viel mit Zeit zu tun hat, sehr viel Zeit. Es wurde im Freien Malz im Schweiße des Angesichts gemahlen, verschiedene Riesentröge mussten ständig umgerührt und dann wieder umgeschüttet werden, dazwischen immer wieder längere Aufkochphasen. Diese Pausen wurden vom Burgvogt genutzt, uns die Geschichte der Burg und ihrer Besitzer (seit 1895 übrigens Nachkommen von Graf Zeppelin) oder auch die Fauna und Flora im Garten näherzubringen, was einem botanischem Crashkurs gleichkam. Parallel dazu schnippelte sich die Hausherrin durch Tonnen von Gemüse für das abendliche Chilli, der Koch-„Topf“ hatte Obelix´sche Zaubertrankkessel-Ausmaße. Als zu abendlicher Stunde unser Bier fast fertig gebraut war, gab es gleichzeitig zum wirklich leckeren Abendessen ein unplugged-Konzert einer Gitarrengruppe am Lagerfeuer, das unseren Tag stimmungsvoll abrundete. Nach dem Abstieg von der Burg mussten wir feststellen, dass in der Provinz die Uhren doch anders ticken: ab 2O:3O Uhr werden hier die Bürgersteige hochgeklappt, ein Großteil der Gastronomie hat samstagabends(!) zu. Am Sonntagmorgen gab es nach dem Frühstück zum Abschluss eine Führung durch das ehemalige, im 8. Jahrhundert gegründete Benediktinerkloster, das heute zum größten Teil eines der letzten rein humanistischen Gymnasien Deutschlands beherbergt, was den Grundstein von Schlüchtern als Schulstadt (16.OOO Schüler!) begründet hat.
Wir haben in diesen drei Tagen viel gelernt und noch viel mehr Spaß gehabt, zumal Petrus ein Einsehen hatte, uns entgegen aller Prognosen jeden Morgen die Sonne vom blauweißen Himmel entgegen lachte, und die Organisation durch Uwe Röhr wirklich perfekt war. Der Bergwinkel wird uns also noch lange in guter Erinnerung bleiben!
Verfasst von: Meinrad Kirchgässner 
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